Geschichte des Alpenvereins in Altenburg


Der Bergsport in Altenburg und damit auch der Alpenverein kann in unserer Stadt auf eine inzwischen über 100-jährige Geschichte zurückblicken. Eine Altenburger Sektion des damals noch vereinten Deutschen- und Österreichischen Alpenvereins (DÖAV) wurde offiziell am 23. Dezember 1907 gegründet. Sie erhielt den Namen „Sachsen-Altenburg“, benannt nach dem gleichnamigen Herzogtum. Bei der Sektion handelte es sich wie damals üblich um einen rein bürgerlichen Verein, dem ausschließlich Mitglieder des gehobenen Mittelstandes und der Oberschicht angehörten. 1925 erreichte die Sektion „Sachsen-Altenburg” mit 409 eingetragenen Mitgliedern ihren Höchststand. Damit stieg sie zur damals zahlenmäßig stärksten Sektion des Alpenvereins in ganz Thüringen auf. Dieser Mitgliederstand wurde bis heute nicht mehr erreicht.

 

Zum Höhepunkt der Vereinstätigkeit kam es 1930, als man gemeinsam mit der DÖAV-Sektion Werdau die 2.124 Meter hoch gelegene Rastkogelhütte in den Tuxer Alpen in Tirol, oberhalb von Hippach im Zillertal, erbaute. Doch aufgrund finanzieller Probleme wurde der Hüttenvertrag mit Werdau bereits 1938 wieder gekündigt.

 

Mit der Machtergreifung Hitlers und der NSDAP verlor der Alpenverein seine Neutralität und Unabhängigkeit. Sämtliche eigenständigen Vereine wurden damals gleichgeschaltet und der staatlichen Kontrolle unterstellt – oder sie wurden verboten. Der nationalsozialistischen Ausrichtung konnte sich auch der Alpenverein nicht entziehen. Doch dieses NS-Erbe führte nach dem Ende des 2. Weltkriegs dazu, dass die Sektion Altenburg des Deutschen Alpenvereins (DAV) im Januar 1949 aus dem Vereinsregister gelöscht und somit auch offiziell aufgelöst wurde.

 

Ab etwa 1949/50 begannen einige Altenburger, sich das Bergsteigen in den Paditzer Schanzen bei Altenburg selbst anzueignen. Schließlich gingen mit der Auflösung und dem Verbot des Alpenvereins auch die bergsteigerischen Kenntnisse und Erfahrungen von Mitgliedern der ehemaligen DAV-Sektion Altenburg verloren. 1951 erfolgten erste Kletterfahrten in die Sächsische Schweiz. Zur DDR-Zeit sollte es das meist besuchte Klettergebiet der Altenburger Bergsteiger werden.

 

Zwischen 1952 und 1958 entstanden bei den Altenburger Betriebssportgemeinschaften (BSG) von Lokomotive, Rotation und Aufbau Touristiksektionen, wo neben den Wanderern und Skifahrern auch Bergsteiger organisiert waren. Der Sportverband, dem auch die Altenburger Touristiksektionen angeschlossen waren, hatte im Laufe der Jahre seinen Namen mehrfach geändert. Zuletzt hieß er „Deutscher Verband für Wandern, Bergsteigen und Orientierungslauf der DDR“, kurz DWBO. Die freie Ausübung des Bergsteigens war damals aufgrund von Reiseverboten nur eingeschränkt möglich. Dennoch gelang es einigen wenigen Altenburger Bergsteigern, anspruchsvolle Gipfel im Fan-Gebirge, im Pamir und im Kaukasus zu besteigen.

 

Mit dem Zusammenbruch der DDR im Jahr 1990 standen auch die Betriebssportgemeinschaften und ihre angeschlossenen Sportverbände vor den aus. Die Folge war, dass sich die Mitglieder der Altenburger DWBO-Sektionen zusammenschlossen und die Sektion Altenburg des Deutschen Alpenvereins (DAV) wieder gründeten. Die Eintragung in das Altenburger Vereinsregister erfolgte am 27. Juni 1990, die Anerkennung der Sektion Altenburg durch den DAV-Hauptausschuss am 07. Oktober 1990.

 

Heute besitzt die Sektion etwa 280 eingetragene Mitglieder, vor allem Wanderer. Die Anzahl der Bergsteiger sank insbesondere in den letzten Jahren massiv, auch hervorgerufen durch den inzwischen sehr hohen Altersdurchschnitt. Um das zu ändern, muss verstärkt in die Nachwuchsarbeit investiert werden.